Der Himmel der Wikinger
Was wir über den Himmel des Nordens wissen, steht vor allem in zwei isländischen Büchern: in der Prosa-Edda des Snorri Sturluson, um 1220, und in der Lieder-Edda, deren Handschrift um 1270 entstand. Beide wurden von Christen aufgeschrieben, lange nach der Wikingerzeit. Dazu kommen Sagas, ein norwegisches Lehrbuch aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, isländische Kalendertexte und Sternnamen, die erst die Volkssprache späterer Jahrhunderte bewahrt hat. Wer genau liest, findet darin Wölfe hinter Sonne und Mond, Augen und einen Zeh, die zu Sternen wurden, und viel nüchterne Zeitrechnung.
Ein nordisches Horoskop gab es nicht. Keine Quelle kennt einen Tierkreis der Wikinger oder Sternzeichen, die nach Göttern benannt wären; was im Internet als „Wikinger-Horoskop“ kursiert, ist eine moderne Erfindung. Auf diesen Seiten lesen Sie deshalb, was die Überlieferung tatsächlich sagt und an welcher Stelle spätere Gelehrte nur vermutet haben.
Die Themen
- Sköll und Hati: die Wölfe hinter Sonne und Mond
Zwei Wölfe jagen Sonne und Mond über den Himmel. Die Edda erzählt, dass sie sie am Weltende verschlingen; von Finsternissen spricht sie nicht.
- Thiazis Augen: zwei Sterne aus der Edda
Die Augen eines Riesen, an den Himmel geworfen: Die Edda erzählt es gleich zweimal und verschieden. Welche Sterne es sind, sagt sie nicht.
- Aurvandils Zeh: ein erfrorener Zeh als Stern
Ein Zeh, der im Korb erfror und zum Stern wurde: eine fast heitere Geschichte aus der Edda, mit einem Namen, der älter ist als sie.
- Alte nordische Sternnamen und wie alt sie wirklich sind
Odins Wagen, Friggs Spinnrocken, Lokis Brand: schöne Namen, aber nur wenige sind wirklich alt. Hier steht, woher jeder kommt.
- Das Nordlicht und die Wikinger
Das Nordlicht als Glanz der Walkürenrüstungen ist eine Idee des 19. Jahrhunderts. Die älteste nordische Quelle ist viel nüchterner und viel schöner.
- Die Götter in unseren Wochentagen
In Dienstag, Donnerstag und Freitag stecken germanische Götter. Sie kamen als Übersetzung der römischen Woche hinein, nicht als Kalender der Opfer.
- Runenkalender: Mond und Woche in Runen
Ein Stab voller Runen, der die Neumonde für 19 Jahre kennt: der Runenkalender war ein Werkzeug der Kirche, und ein kluges.
Diese Seiten trennen, was in einer mittelalterlichen Quelle steht, von dem, was Gelehrte später vermutet oder hinzugedichtet haben, und sagen jeweils, von wem es stammt.