Die Götter in unseren Wochentagen
In unseren Wochentagen stecken alte Götter, aber nicht so, wie man oft liest. Die Namen sagen nicht, wem die Menschen an diesem Tag opferten. Sie sind Übersetzungen der römischen Planetenwoche: Wo die Römer einen Tag nach Mars, Merkur, Jupiter oder Venus benannten, setzten germanische Sprecher einen eigenen Gott ein, der ihnen ähnlich schien.
Wann das geschah, ist unsicher. Man nimmt die Zeit nach etwa 100 nach Christus und vor der Christianisierung im 6. und 7. Jahrhundert an, und schon Jacob Grimm setzte es in diesen Rahmen. Die nordischen Namen wurden dann aus dem Westgermanischen übernommen, nicht eigens aus dem Lateinischen übersetzt.
Dienstag, Donnerstag, Freitag
Der Dienstag ist der Tag des Mars. Im Altenglischen hieß er Tīwesdæg, im Altnordischen týsdagr, der Tag des Tyr. Das deutsche Wort führt man auf Thingsus zurück, einen Beinamen dieses Gottes als Schützer des Things, der Versammlung; ältere süddeutsche Formen gehen auf Ziu zurück, den deutschen Namen desselben Gottes.
Der Mittwoch hat seinen Gott im Deutschen verloren. Das Englische bewahrt mit Wednesday den Tag Wodans, das Altnordische mit óðinsdagr den Tag Odins; das Deutsche sagt schlicht Mitte der Woche.
Der Donnerstag ist Donars Tag, des Donnergottes, der im Norden Thor hieß; er steht für den römischen Jupiter. Der Freitag gehört Frija, im Norden Frigg, und ersetzt den Tag der Venus. Das altenglische Frīgedæg meint eindeutig Frig; beim altnordischen frjádagr ist dagegen nicht ganz sicher, ob Frigg oder Freyja gemeint ist.
Sonne, Mond und ein Badetag
Sonntag und Montag behielten ihre Himmelskörper, Sonne und Mond, im Altenglischen Sunnandæg und Mōnandæg, im Altnordischen sunnudagr und mánadagr. Nur ein römischer Gott hat sich gehalten: Saturn im englischen Saturday, altenglisch Sæternesdæg.
Der Norden ging beim Samstag einen eigenen Weg. Altnordisch hieß er laugardagr, Badetag, nach laug, dem Bad. In diesem Namen steckt gar kein Gott, weder ein nordischer noch ein römischer.
Island tauscht die Götter aus
Eine hübsche Wendung nahm die Geschichte in Island. Bischof Jón Ögmundsson von Hólar, der von 1052 bis 1121 lebte, soll die Götternamen durch schlichte Zählungen ersetzt haben: þriðjudagur, der dritte Tag, miðvikudagur, der Tag der Wochenmitte, fimmtudagur, der fünfte Tag, und föstudagur, der Fasttag.
Das Isländische sagt bis heute so. Ausgerechnet im Land der Edda kommen Tyr, Odin, Thor und Frigg in der Woche also nicht mehr vor, während sie im Deutschen und Englischen jeden Tag mitlaufen.