Mazalot: der hebräische Tierkreis
Mazal heißt auf Hebräisch Sternbild oder Tierkreiszeichen. Die jüdische Überlieferung kennt zwölf Mazalot, eines für jeden Monat des Kalenders, mit denselben Bildern wie der griechische Tierkreis: vom Lamm im Nisan bis zu den Fischen im Adar. Wer „Masel tow“ wünscht, wünscht wörtlich ein gutes Sternbild; gemeint ist heute einfach Glück.
Die zwölf Mazalot
| Monat | Mazal | Tierkreiszeichen | Buchstabe | ungefähr |
|---|---|---|---|---|
| Nisan ניסן | Tale טלה Lamm | ♈︎ Widder | ה | April/Mai |
| Ijar אייר | Schor שור Stier | ♉︎ Stier | ו | Mai/Juni |
| Siwan סיון | Te'omim תאומים Zwillinge | ♊︎ Zwillinge | ז | Juni/Juli |
| Tammus תמוז | Sartan סרטן Krebs | ♋︎ Krebs | ח | Juli/August |
| Aw אב | Arje אריה Löwe | ♌︎ Löwe | ט | August/September |
| Elul אלול | Betula בתולה Jungfrau | ♍︎ Jungfrau | י | September/Oktober |
| Tischri תשרי | Mosnajim מאזניים Waage | ♎︎ Waage | ל | September/Oktober |
| Cheschwan חשון | Akraw עקרב Skorpion | ♏︎ Skorpion | נ | Oktober/November |
| Kislew כסלו | Keschet קשת Bogen | ♐︎ Schütze | ס | November/Dezember |
| Tewet טבת | Gedi גדי Böckchen | ♑︎ Steinbock | ע | Dezember/Januar |
| Schwat שבט | Dli דלי Eimer | ♒︎ Wassermann | צ | Januar/Februar |
| Adar אדר | Dagim דגים Fische | ♓︎ Fische | ק | März/April |
Das Mazal Ihres Geburtsmonats
Der Monat, nicht der Tag
Das Mazal gehört in der Überlieferung zum hebräischen Monat, nicht zum Stand der Sonne. Weil die Monate dem Mond folgen, verschieben sie sich gegen das Sonnenjahr; Monat und Sonnenzeichen decken sich deshalb meist nur zum Teil. Nisan, der Monat des Lamms, beginnt mit dem Neumond im März oder April, das Zeichen Widder mit der Tagundnachtgleiche um den 20. März. Das Buch der Schöpfung, Sefer Jezira, ordnet jedem Monat und Zeichen außerdem einen der zwölf einfachen Buchstaben des Alphabets zu.
Hat Israel ein Mazal?
Der Talmud streitet darüber (Schabbat 156a–b). Rabbi Chanina sagt: Das Mazal macht weise, das Mazal macht reich, und auch Israel hat ein Mazal. Rabbi Jochanan widerspricht: Ein Mazal le-Jisrael, Israel steht nicht unter den Sternen. Als Beleg dient Abraham: Er habe in seinem Sternbild gelesen, dass er keinen Sohn bekommen werde, und Gott habe ihn hinausgeführt und gesagt, er solle seine Sterndeutung lassen. Dann folgt die Geschichte von der Tochter Rabbi Akivas, der die Sterndeuter den Tod am Hochzeitstag vorhersagten. Am Abend steckte sie ihre Haarnadel in die Wand und traf, ohne es zu wissen, eine Schlange. Sie hatte beim Fest einem Armen zu essen gegeben, als alle anderen beschäftigt waren, und ihr Vater las daraus den Vers: Wohltätigkeit rettet vom Tod.
Ibn Esra und Maimonides
Im Mittelalter gehen die Meinungen weit auseinander. Abraham ibn Esra (1089–1167), Dichter und Bibelausleger, schrieb eine ganze Reihe astrologischer Bücher. Moses Maimonides (1138–1204) dagegen nannte die Astrologie in seinem Brief an die Gelehrten Südfrankreichs keine Wissenschaft, sondern Torheit, und in seinem Gesetzeswerk verbietet er, nach den Sternen glückliche und unglückliche Zeiten zu bestimmen. Viele Juden halten es bis heute mit ihm; andere sehen im Mazal eine Anlage, über die der Mensch durch sein Tun hinauswächst.
Der Tierkreis im Synagogenboden
In mehreren Synagogen der Spätantike liegt der Tierkreis im Fußboden, mit hebräischen Namen der Zeichen: in Hammat Tiberias am See Genezareth aus dem 4. Jahrhundert, mit dem Sonnenwagen in der Mitte, in Sepphoris aus dem 5. und in Beit Alfa aus dem 6. Jahrhundert, umgeben von den vier Jahreszeiten. In En Gedi zählt eine Inschrift im Boden die zwölf Zeichen und die zwölf Monate auf. Was die Gemeinden damit meinten, ist umstritten: wohl den Lauf des Jahres und die Ordnung der Schöpfung.
Die sieben Wandelsterne
Die Planeten heißen auf Hebräisch Schabbtai (Saturn), Zedek (Jupiter), Ma'adim (Mars), Chama (Sonne), Noga (Venus), Kochaw (Merkur) und Lewana (Mond). In dieser Reihenfolge, als Merkwort Schaz'am Chanakal, regieren sie nach dem Talmud abwechselnd die Stunden des Tages. Saturn trägt den Namen des Schabbat.
Sterne in der Bibel
Die Bibel nennt einige Sternbilder beim Namen: Kima und Kesil (Hiob 9,9 und 38,31; Amos 5,8), meist als Plejaden und Orion gedeutet, und Asch oder Ajisch, vielleicht der Große Wagen. Welche Sterne genau gemeint sind, weiß man nicht sicher.
Den Himmel segnen
Statt in den Sternen zu lesen, segnet die Überlieferung den Himmel. Jeden Monat wird beim zunehmenden Mond Kiddusch Lewana gesprochen, unter freiem Himmel (die Termine stehen im jüdischen Kalender). Alle 28 Jahre, wenn die Sonne nach der Überlieferung an ihren Ort der Schöpfung zurückkehrt, folgt der Segen über die Sonne, Birkat haChama, zuletzt 2009, das nächste Mal am Mittwoch, 8. April 2037.
Diese Seite erzählt Überlieferung und Geschichte; ein Horoskop stellt sie nicht.
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